Jüdische Wissenschaftlerin zur Präsidentin der Catholic Biblical Association ernannt

14.08.2026 - Amy-Jill Levine hat Geschichte geschrieben. Sie ist die erste jüdische Gelehrte, die zur Präsidentin der 90 Jahre alten Catholic Biblical Association of America (CBA) ernannt wurde.

Die CBA widmet sich der wissenschaftlichen Erforschung der Bibel und steht auch Nicht-Katholiken offen. Levine trat der Vereinigung vor 42 Jahren nach ihrer Promotion an der Duke University bei. Sie unterstützt die CBA seit langem als Redaktionsmitglied, Beraterin und Herausgeberin von Buchrezensionen. Ihre Faszination für den Katholizismus begann im Alter von sechs Jahren, als sie die Beerdigung von Papst Johannes XXIII. verfolgte, den ihre Mutter als „Freund der Juden“ bezeichnete. 

Die 70-jährige Levine ist Professorin an der Hartford International University und lehrte zuvor an der Vanderbilt Divinity School. Demnächst unterrichtet sie zudem an der Universität Luzern in der Schweiz. Ihr Lebenswerk konzentriert sich darauf, Jesus als galiläischen Juden des ersten Jahrhunderts zu verstehen und zu analysieren, wie seine ersten jüdischen Anhänger ihn sahen. 2019 unterrichtete sie als erste jüdische Gelehrte das Neue Testament am Päpstlichen Bibelinstitut in Rom und hatte bereits drei Audienzen bei Papst Franziskus.

Levine sieht ihre Arbeit als Gegenleistung für die Offenheit der katholischen Kirche in der Moderne. Sie verweist auf die historische Erklärung Nostra Aetate von 1965, die den Antisemitismus verurteilte und die kollektive Schuld der Juden am Tod Jesu zurückwies. Sie ist Autorin von 20 Büchern, darunter The Misunderstood Jew und The Jewish Annotated New Testament (Dt. Ausgabe:Das Neue Testament – jüdisch erklärt, Sttgt. 2021). Während ihrer einjährigen Amtszeit möchte sie für die Katholische Bischofskonferenz der Vereinigten Staaten Leitlinien zur Bibelauslegung in Lehrbüchern für kirchliche Schulen und in der Katechese an die Hand geben und, sofern möglich, Empfehlungen für ein überarbeitetes Lektionar erarbeiten.