Heiliges Land: Vikariat in Jerusalem für Dialog und Frieden aktiv

22. Januar 2026 - Das Vikariat Sankt Jakob in Jerusalem kümmert sich um die hebräisch-sprachigen Katholiken, die in Israel leben. Patriarchalvikar Piotr Zelazko hat dieser Tage den internationalen Bischöfen, die zum Bischofstreffen im Heiligen Land waren, von seiner Arbeit berichtet - sie ist vom Dialog zwischen den Völkern und Religionen, der Seelsorge für junge Menschen und dem Engagement für Gerechtigkeit, Vergebung und Versöhnung nach dem Terrorangriff auf Israel vom 7. Oktober geprägt.

„Dies ist vielleicht der einzige Ort auf der Welt, an dem Araber und Israelis, Russen und Ukrainer gemeinsam beten, und ich bin sehr stolz darauf, dass sie alle bei uns gemeinsam beten. Was uns verbindet, ist der Glaube an Jesus“, sagte Pater Piotr Zelazko den Bischöfen aus Europa und Nordamerika der „Holy Land Coordination“, die am Mittwoch zu einem Solidaritätsbesuch beim Sitz des Vikariats im Zentrum Jerusalems waren. Pater Zelazko ist seit August 2021 Patriarchalvikar von Sankt Jakob, ein Amt, das in der Vergangenheit auch der derzeitige lateinische Patriarch, Kardinal Pierbattista Pizzaballa, innehatte. Das Vikariat kümmert sich um die Seelsorge der sieben Gemeinden (Kehillot), aus denen es besteht: darunter Jerusalem, Tel Aviv, Haifa, Beer Sheva und Nazareth. Das Engagement der Priester und Gläubigen des Vikariats liegt, wie Pater Zelazko erklärte, in der Seelsorge und Katechese besonders auch für Migranten und Asylbewerber hebräischer Sprache, die über das ganze Land verstreut sind. Das Vikariat organisiert für sie, auch mit Hilfe vieler Freiwilliger, Begegnungen, Sommerlager, Workshops, Feste und Exerzitien.

Kleine Minderheit mit Friedensmission

Besonders wichtig sind in der Minderheitensituation neben der Weitergabe des Glaubens die Förderung von Frieden und Dialog. „Eine katholische Minderheit in einer mehrheitlich jüdischen Gesellschaft zu bilden, ist eine neue Erfahrung in der Geschichte der Kirche. Unsere Mission ist es, den Glauben dieser kleinen Gemeinschaften zu nähren, insbesondere der Kinder und Jugendlichen, die in der hebräischsprachigen israelischen Gesellschaft leben und integriert sind.“ Nicht weniger wichtig sei der Dienst an den Armen und das Zeugnis für Gerechtigkeit und Frieden. „Letzteres kann in einem Kontext von Gewalt und Krieg wie dem unseren nicht von den Werten der Vergebung und Versöhnung getrennt werden“, so Pater Zelazko.

„Wir wissen, dass unsere jüdischsprachigen Gemeinschaften eine kleine Minderheit sind, insgesamt nur wenige hundert Gläubige, aber in der Kirche zählen nicht die Zahlen. Wenn also Araber und Israelis, Russen und Ukrainer gemeinsam in unseren Gemeinden beten, entsteht dort Frieden im Namen Jesu."

Nach dem 7. Oktober 2023

Pater Zelazko berichtete den Bischöfen auch, wie sich die israelische Gesellschaft mehr als zwei Jahre nach dem 7. Oktober 2023 verändert hat und wie sich diese „Massentragödie“ auf das Leben der Gläubigen des Vikariats ausgewirkt hat: „Man spürt ein großes Misstrauen. Unmittelbar nach dem Terroranschlag der Hamas haben wir keine Araber mehr in Jerusalem gesehen, auch hier in unserer Straße nicht. Sie und wir waren alle verängstigt. Dann haben wir langsam begonnen, das Geschehene zu verarbeiten, und die erste Reaktion, zumindest für mich, war Wut, die aus Angst entstand."

Katholischer Priester zu sein, befreie nicht automatisch von Gefühlen der Wut und Rache. Er habe an vielen Beerdigungen der Opfer des Anschlags teilgenommen, weil unter den Gläubigen des Vikariats Freunde und Bekannte der betroffenen Familien sind. „Es gibt keinen Schalter, den man drücken kann, um bestimmte negative Gefühle auszuschalten, aber durch das Gebet bekommst du die Kraft, wieder von Liebe und Versöhnung zu sprechen. Und genau das ist in unseren Gemeinden geschehen.“

Es gibt keinen Unterschied im Leiden

Es sei wichtig, sich nach dem schlimmen Attentat bewusst zu werden, dass „nicht alle in Gaza dich töten wollen. Dass es in diesem Landstrich auch Kinder, Frauen, Familien und unschuldige Menschen gibt, die getötet werden. Menschen, die ein Gesicht und einen Namen haben. Unser Leid ist dasselbe wie das dieser Menschen, Schmerz hat keine Nationalität und keine Flagge", betonte der Patriarchalvikar von Sankt Jakob in Jerusalem. „Wenn wir also so hassen, wie die Terroristen hassen, spielen wir ihnen in die Hände, und das wäre ihr Sieg. Wir müssen uns bemühen, uns als Menschen zu sehen"

Als Christen gelte es, zusammenzuhalten, um der Welt zu bezeugen, dass Frieden möglich ist. Das sei nach dem 7. Oktober nicht immer leicht: „Wir sind zu Menschen geworden, die hart an ihren Gefühlen arbeiten müssen, um nicht zu denen zu werden, die andere hassen”, so Pater Piotr Zelazko. Kardinal Pizzaballa ermutige alle auf diesem Weg und fordere alle auf, die Voraussetzungen für Begegnung und Dialog zu schaffen.  Friede sei stärker als Krieg und Rache. 

Hintergrund

Das 25. Internationale Bischofstreffen für Solidarität mit Christen im Heiligen Land ging am Mittwoch mit einem Friedenappell zu Ende. Teil nahmen dreizehn Bischöfe aus zehn Ländern Europas und Nordamerikas, die sich mit Vertretern der Ortskirche in Israel und Palästina zusammensetzten. Leitwort war „Land der Verheißung: Begegnung mit Menschen der Hoffnung“. Die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) war durch den Vorsitzenden der Arbeitsgruppe Naher und Mittlerer Osten, Erzbischof Udo Markus Bentz (Paderborn), vertreten.

 

Editorische Anmerkungen

Quelle: Vatican News, 22. Januar 2026.