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Josef Peter Zauner
Erstes Testament und Judentum in der römischen Liturgie
Ausgangspunkt für die nachfolgende liturgiewissenschaftliche Arbeit ist die Heilige
Schrift selbst, denn sie ist „von größtem Gewicht für die Liturgiefeier“.1
Aus ihr werden nämlich Lesungen vorgetragen und in der Homilie gedeutet, aus ihr werden
Psalmen gesungen, unter ihrem Anhauch und Antrieb sind liturgische Gebete, Orationen und
Gesänge geschaffen worden, und aus ihr empfangen Handlungen und Zeichen ihren Sinn. Um
daher Erneuerung, Fortschritt und Anpassung der heiligen Liturgie voranzutreiben, muß
jenes innige und lebendige Ergriffensein von der Heiligen Schrift gefördert werden, von
dem die ehrwürdige Überlieferung östlicher und westlicher Riten zeugt.2
Die Liturgie greift gemäß dem Auftrag des Konzils demnach auf vielerlei Weise und
vielmals auf die Bibel zurück. Unter anderem im Vortrag von Lesungen, im Psalmengebet, in
biblisch inspirierten und von biblischer Sprache durchsetzten Gebeten, in Liedern, die sich
eng an biblische Texte anlehnen oder diesen frei nachgestaltet sind und in den in der Bibel
enthaltenen und daraus entnommenen Gruß- und Segensformeln. Diese Auflistung ließe sich
lange fortsetzen, und es werden kaum Elemente der Liturgie zu finden sein, die nicht direkt
aus der Bibel schöpfen oder von ihr angeregt und mitgeprägt sind.3 Bibel und
Liturgie gehören so sehr zusammen, daß die Bibel des öfteren sogar als das liturgische
Buch schlechthin bezeichnet wird: „Das einzige wirklich notwendige Buch für die Feier der
Liturgie ist die Heilige Schrift (...) Alle anderen Bücher sind grundsätzlich
entbehrlich“ hat Klemens Richter die Konzilsaussage von SC 24 sicherlich etwas zu
enthusiastisch gedeutet.4 Fest steht allerdings: Nirgendwo sonst im Leben der
Kirche wird so häufig und ausgiebig aus der Bibel gelesen wie in den verschiedenen
liturgischen Feiern. Die Liturgie ist der wichtigste Ort der Begegnung der Kirche mit Gott
und umgekehrt. Der Ort des Dialogs zwischen Gott und seinem Volk. Gerade die Art und Weise,
wie an diesem Ort des Dialoges und der Begegnung mit den biblischen Texten umgegangen wird,
prägt das Bewußtsein der Mitfeiernden für ihre Bewertung der Schriften des Ersten und
Zweiten Testamentes. So muß gerade dort, wo Gottes Wort gefeiert und verkündet wird,
besonders sorgfältig mit dem Wort umgegangen werden. Sorgfältig bei der Auswahl der
Perikopen, sorgfältig bei den Zeichen und Symbolen, die beim Verkünden des Wortes Gottes
verwendet und angewandt werden. Benedikt Kranemann bezeichnet dies mit der Überschrift
„Dramaturgie des Wortgottesdienstes in der Messfeier.“5
Diese Sorgfalt aufgreifend und um der Thematik vorliegender Arbeit gerecht zu werden,
will ich nun deutlich hervorheben, daß unter der Berücksichtigung der hermeneutischen
Bibelauslegung und der damit verbundenen Tradition des Judentums das Erste Testament eine
Herausforderung für die christliche Liturgie6 und eine große Chance für den jüdisch–christlichen
Dialog sein kann, somit einen wesentlichen Beitrag zum Heilsdienst7 am Menschen
leistet, ohne dabei die restlichen Bücher der einen Bibel hermeneutisch, exegetisch und
liturgisch abzuwerten.
Gemeinsamkeiten der jüdischen und christlichen Liturgie: Die Rückbesinnung auf die jüdischen Wurzeln der christlichen Liturgie —
Herausforderungen für die Liturgieerneuerung
Eine dieser Herausforderungen besteht vor allem darin, durch die richtige Betrachtung des
Ersten Testaments die Wurzeln des Christentums und deren Liturgie zu erkennen. Hier muß auf
das Dokument der römischen Kurie für „eine richtige Darstellung von Juden und
Judentum“ eingegangen werden. Das Schreiben hebt hervor, daß Juden und Christen die
gesamte Substanz ihrer Liturgie in der Bibel finden. Diese Substanz bezieht sich auf die
Verkündigung des Wortes Gottes, die Antwort auf dieses Wort, das Lobgebet und die Fürbitte
für die Lebenden und für die Toten.8 Unter der gleichen Nummer wird auf die
Parallelen von Gebetstexten, Formularen und eucharistischen Gebeten verwiesen. Über die
Gemeinsamkeit, oder besser gesagt: über die Wurzel der Feier der Eucharistie, gibt das
Schreiben folgende wichtige Information:
Christen und Juden feiern das Pascha: das Pascha der Geschichte, in der Spannung auf die
Zukunft hin, bei Juden; und im Tod und in der Auferstehung Christi vollendetes Pascha bei
den Christen, wenn auch immer in der Erwartung der endgültigen Erfüllung. Auch das ´Gedächtnis’,
mit spezifischem, in jedem einzelnen Fall verschiedenen Inhalt, kommt aus der jüdischen
Tradition zu uns. Es gibt also auf beiden Seiten eine vergleichbare Dynamik. Für die
Christen gibt sie der Eucharistiefeier ihre Sinnrichtung (...): Sie ist eine Paschafeier
und als solche eine Aktualisierung der Vergangenheit, aber gelebt in der Erwartung ´bis
er kommt (1 Kor 11,26)’.9
Wie schon des öfteren erwähnt, spricht dieses Dokument nicht von einer Abhängigkeit
des Judentums vom Christentum sondern umgekehrt, es verweist die christliche Liturgie auf
ihre Wurzeln in der Liturgie des Judentums. Freilich, ob man von einer jüdischen Liturgie
im Sinne unserer christlichen überhaupt sprechen kann, wäre ein Exkurs, der den Rahmen
dieser Arbeit bei weitem sprengen würde. Es sei auf den Aufsatz von Klemens Richter
verwiesen, der diese Thematik beschreibt. Wird unsere Liturgie nach oben erwähnten
Gesichtspunkten betrachtet, weisen folgende Elemente der katholischen Liturgie auf jüdische
Wurzeln und sind demnach jüdischer Herkunft:10
- der Kern des Wortgottesdienstes (die doppelte Lesung, der dazwischen liegende
Psalmengesang und die anschließende Predigt) aus der Sabbat Morgenfeier der Synagoge;
- die Grundstruktur des eucharistischen Hochgebetes aus dem Lobgebet der jüdischen
Mahlfeier und dem Lobpreis der Schöpfung und Erwählung im Sabbat Morgengottesdienst;
- das große Fürbittgebet aus dem Achzehngebet des synagogalen Gottesdienstes;
- die Siebentagewoche und die Feste im Jahreskreis;
- die Martyrerverehrung;
- das Morgen- und Abendgebet und letztlich auch die anderen Horen der Stundenliturgie;
- die Berechnung des liturgischen Tages;
- die Doxologie am Ende eines jeden Gebetes;
- das Sanctus nach der Qeduscha (lt. Jes 6,3),
- Liturgische Gemeindeakklamationen wie das Amen, das Halleluja und das Hosianna und
- die Handauflegung als eine der wichtigsten Segensgesten.11
Ähnliche Wurzeln unserer Liturgie werden im Handbuch der Liturgiewissenschaft (GdK)12
beschrieben, wenngleich in Teil 4 dieses Standardwerkes geschrieben wird, daß
eine direkte Abhängigkeit des christlichen Wortgottesdienstes vom Synagogengottesdienst für
die früheste Zeit weder beweisbar noch wahrscheinlich“13 ist, wohl
aber ist offensichtlich vom 2. – 4. Jh. eine Entwicklung vor sich gegangen, an deren
Ende der Wortgottesdienst der Eucharistiefeier in wichtigen Zeugen des Ostens (...) eine
unübersehbare, die Lese-, aber auch die Gebetsordnung betreffende Verwandtschaft mit dem
Synagogengottesdienst aufweist. Besonders im syrischen Raum haben offenbar lange
andauernde und sehr enge Kontakte zum Judentum bestanden, die traditionsgeschichtlich
wirksam geworden sind, nachdem die Trennung der Kirche vom Judentum vollzogen war.14
Die Voraussetzungen für die Feier der Eucharistie im jüdischen Paschamahl selbst sieht
das Handbuch für den restlichen Teil der Eucharistiefeier durchaus gegeben. Besonders gilt
das für das Motiv, für die Bedeutung und für den Verlauf des Abendmahles Jesu.15
Das Herrenmahl kann ohne diese Kenntnis des jüdischen Pascha- oder Festmahles nicht
verstanden werden, da eben Motiv- und Bedeutungsgeschichte des letzten Mahles Jesu eng
„mit der Vorstellungswelt des AT und des zeitgenössischen Judentums verbunden“ sind:16
Das Pascha der Juden war eine Gedächtnisfeier (zikkaron) (s.o. 143), und in ähnlicher
Weise waren die religiösen Festmähler der Juden durch das preisende Gedenken der Schöpfungs-
und Heilstaten Jahwes bestimmt. Das gilt auch von Jesu letztem Mahl. Zentraler Gegenstand
des preisenden Gedenkens waren aber hier nicht mehr allein oder in erster Linie die Taten
Jahwes bei der Schöpfung und in der Heilsgeschichte des alttestamentlichen Bundesvolkes,
sondern Gottes Handeln an und durch Jesus, das dieser im Sinn und wohl auch im Stil der
zeitgenössischen jüdischen Feier- und Gebetspraxis (haggada, beraka) zur Sprache
gebracht hat. Das Gott segnende Preisen und Danken (hbr. Ydh, brk; griech. eulogei,
eucaristein) vor allem beim ´Segensbecher’, die Abschiedsreden und das
hohepriesterliche Gebet (Joh 14 – 17), aber auch der sog. Eschatologische Ausblick (Lk
22, 17f. par) geben Hinweise auf Art und Inhalt dieses Gedenkens, das die vergangene und
die zukünftige Heilsgeschichte umgreift, sie im Jetzt der Feier aktualisiert und an ihr
Anteil gibt: in communio mit Jesus und in der Teilhabe an seinem Heilswerk, dem Inbegriff
aller Verheißungen Gottes.17
Neben diesen Gemeinsamkeiten gibt es deutliche Unterschiede.18 Aus den
Unterschieden und den Gemeinsamkeiten läßt sich der Stellenwert, „den Jesus seinem
letzten Mahl mit den Jüngern beigemessen hat, jener Feier also, auf die sich die
Eucharistiefeier der Kirche beruft, an der sie sich aber auch messen lassen muß“,19
deutlich hervor.
Demnach ist laut dem Handbuch für Liturgiewissenschaften „Gottesdienst der Kirche
GdK)“ die Feier der Eucharistie an der Feier eines jüdischen Paschamahles orientiert und
nach neuer Forschung und der Erneuerung der Liturgie seit dem II. Vaticanum werden im GdK zu
den Elementen von Theodor Klauser noch einige gemeinsame Wurzeln der Liturgie hinzugefügt.
Hervorgehoben seien hier besonders
- die Quiddusch-Gebete20 bei der Gabenbereitung und bei der Neuordnung der
Feier des Leidens, des Todes und der Auferstehung des Herrn, einige jüdische Symbole.
Besonders
- die Lichtsybolik der Osternacht.21
Ein guter und vollständiger Überblick findet sich in: „Israel und Kirche heute. Beiträge
zum christlich-jüdischen Dialog“22 und eben im schon zitierten Handbuch der
Liturgiewissenschaft. Um es noch einmal hervorzuheben: Die Gemeinsamkeiten zu erkennen,
richtig zu deuten und mitzuvollziehen, ist die Herausforderung, der sich die Liturgie im
Zeitalter der jüdisch-christlichen Ökumene stellen muß.
Das liturgische Beten und Handeln
Gerade beim liturgischem Gebet muß diese Herausforderung angenommen werden, denn beim öffentlichen
Gebet muß besonders darauf geachtet werden, die gemeinsamen Wurzeln zu wahren. Ansonsten
kommen wir Christen aus der Sicht des Judentums sehr schnell in den jüdischen
Schittuf-Verdacht, in den Verdacht der Verdunkelung des Monotheismus.23 Jede
Anrede oder Schlußformel eines Gebetes, die nicht klar erkennen lassen, daß sich
christliches Beten auf den einen Gott bezieht, ist im Kern auch nicht christlich.24
D.h., daß wir, die wir uns Christen nennen, uns immer der trinitarischen Struktur unseres
Betens bewußt sein müssen. Ein solches Beten besteht nicht nur darin, „Vater, Sohn und
Geist anzurufen, sondern wesentlich im Mitvollzug der Bewegung der Anrede des Vaters,
´durch den Sohn im Geist’, die das Geheimnis des dreieinen Gottes selber ausmacht.“25
Dieses Bekenntnis zum dreifaltigen Gott ist uns Christen spezifisch und ein Grunddogma
unseres Glaubens. Wir brauchen es nicht zu verleugnen, sondern sollen uns dazu bekennen
durch den richtigen „Mitvollzug“ dieser Glaubenswahrheit.
Um diesen „Mitvollzug“ der trinitarischen Struktur des christlichen Betens deutlich
herauszustellen, lautet zum Beispiel die Doxologie der Benediktiner auf dem Jerusalemer
Zionsberg in der Dormitio-Abtei:„Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist,
dem einen Gott von Ewigkeit. Amen.“
Leider fehlt es vielen christlichen Beterinnen und Betern (auch theologisch gebildeten)
vielfach an diesen Mitvollzug der Anrede an den einen Gott. Dieser Mitvollzug muß nicht in
der Umformulierung der Doxologie erfolgen, sondern er vollzieht sich, um nochmals Julie
Kirchberg zu zitieren, „im deutlichen und klaren Verstehen des uns Christen typischen und
eigenen trinitarischen Betens zu dem einen Gott“.26
Diesen Ansatz des Betens fordert u. a. auch das Gebets- und Gesangbuch „Gotteslob“.
In der Einführung über das persönliche Gebet trifft es folgende Aussage: „Wenn wir
beten, betet Christus im Heiligen Geist mit uns. Der Getaufte betet, wie wir es so oft
sagen, ´durch Christus, unsern Herrn’.“27 Leider wird dieses Prinzip des
"Mitvollzuges" im Gotteslob nicht deutlich genug durchgehalten, wie Benedikt
Kranemann nach einer Untersuchung der Gebetstexte und einiger Lieder festgestellt hat. Schon
nach einer kurzen Durchsicht dieses Gebets- und Gesangsbuches wird deutlich, daß das
Programm, welches sich das Gotteslob im Vorwort selbst vorgibt, nicht in allen Gebets- und
Gesangtexten realisiert ist.28
Auf die Auswüchse der Heiligenverehrung und der Marienverehrung, wie sie m.E. besonders
in traditionalistischen Kreisen unserer Kirche immer häufiger vorkommen, gehe ich hier, um
die wissenschaftliche Seriosität der Arbeit beizubehalten, nicht ein und verweise auf
Albert Gerhard, der in der Trierer theologischen Zeitschrift einen sehr verständlichen
Aufsatz zum Thema der Gebetsanrede im Zeitalter des jüdisch-christlichen Dialoges veröffentlicht
hat.29
Der marginale Stellenwert des Ersten Testaments in der Leseordnung der Kirche
Wie einleitend zu diesem Kapitel schon geschrieben, ist eine Herausforderung für die
Erneuerungsbewegung in der Liturgie das bewußte Zurückfinden zur Bibel als dem
liturgischen Grundlagenbuch. Bei der Neuordnung der Liturgie wurde darauf sicherlich Rücksicht
genommen, jedoch fanden, was die Auswahl der Schriftlesungen selbst betrifft,
alttestamentliche Bibelwissenschaftler kaum Gehör30 und so hat das Erste
Testament in der Liturgie bis heute nicht den Stellenwert, den es als gleichwertiger Teil
der einen Heiligen Schrift eigentlich einnehmen müßte. Dies basiert einerseits auf der
falschen Deutung des Ersten Testaments, daß der erste Teil der Bibel eine überholte, wenn
nicht eine minderwertige Stufe religiöser Entwicklung sei und andererseits auf der
falschen, meist christozentrisch gedeuteten Auswahl der Perikopen. Diese Entwicklung findet
auch lehramtlichen Rückhalt und so scheint sich in der kirchlichen Praxis die Gegenüberstellung
der Schriften des Ersten und des Zweiten Bundes, einschließlich der Abwertung des Ersten
Bundes, durchgesetzt zu haben. Dies bestätigt nicht zuletzt die derzeit gültige
Leseordnung für die Sonn- und Feiertage. So darf die Frage gestellt werden, ob diese Praxis
und dieser „Ist-Zustand“ im Lektionar dem Auftrag der Konzilsväter gerecht wird, die
gefordert haben, daß die Schatzkammer der Bibel aufgetan wird und innerhalb einer
bestimmten Anzahl von Jahren die wichtigsten Teile der Heiligen Schrift dem Volk
vorgetragen werden.31
Dazu zitiert Georg Gafus in seiner Untersuchung „Das Alte Testament — Stiefkind der
Perikopenordnung“32 M. Limbeck, der bereits vor zwanzig Jahren darauf verwiesen
hat, daß trotz der guten Absicht zu dieser Frage immer noch erhebliche Defizite bestehen
und von einem Ausfall des Alten Testaments im gegenwärtigen kirchlichen Bewußtsein
gesprochen werden muß. Neben dem Wegfall ganzer Bücher ist die Auswahl der Lesungen aus
dem Ersten Testament ein Problem der bestehenden Perikopenordnung. Vor allem jene Auswahl
der Lesungen aus dem Ersten Testament, die großteils nur eine vorbereitende Rolle auf das
Evangelium hin haben, oder jene Texte, bei denen die „liturgische Schere“33
theologische Spitzenaussagen des Ersten Testaments getroffen hat. Es reicht schon ein Blick
in die Statistik zur Verwendung der alttestamentlichen Bibelstellen, um dieses Defizit der
zur Zeit geltenden Perikopenordnung zu belegen. So sahen und sehen die Urheber der zur Zeit
gültigen Messlektionare die „wichtigsten Teile“ der einen Bibel in großer Mehrheit nur
im Neuen Testament: Von den 46 Schriften des Ersten Testaments finden sich 13 Bücher nicht
in der Perikopenordnung, während von den 27 Schriften des Zweiten Testaments nur drei nicht
in der Leseordnung vertreten sind.34
Theoretisch ist es denkbar, daß ein Katholik drei Jahre lang keine einzige Lesung aus dem
Alten Testament hört, obwohl er jeden Sonntag am Gottesdienst teilnimmt.“35
Diesen Extremfall schildert Georg Gafus für Deutschland, er ist durchaus auch in Österreich
möglich, denn in vielen Pfarren Österreichs ist an jedem Sonntag ein „liturgischer
Ausnahmezustand“, so daß der Wortgottesdienst „aus pastoralen Gründen36 nur
zwei Lesungen enthält (über die Sinnhaftigkeit dieser „Gründe“ sei hier kein Wort
verloren). Dieser Notstand geht fast immer zu Lasten der Perikope aus dem Ersten Testament.
Zur Streichung ganzer Bücher des Ersten Testaments, sei noch angemerkt, daß der
Eliminierung auch alle drei Schriften zum Opfer gefallen sind, in denen eine Frau in der
Titelrolle vorkommt.37 Diese Marginalisierung von Frauen in der Leseordnung ist
jedoch ein generelles Problem der Perikopen, sei es durch falsches Übersetzen oder eben
durch ganzes Auslassen von Büchern. Ersteres besonders im Ersten Testament, zweiteres bei
einigen Stellen im Zweiten Testament.38 Ähnliches trifft auf den nächsten Punkt
zu, denn auch den Psalmen wurde das Schicksal zuteil, daß ganze Verse weggestrichen oder
umgeschrieben wurden und der theologische Kontext dadurch gefährdet, als auch ihre
poetischen Dichtungen zerstört wurden.
Die Psalmen
Zu allen Zeiten haben die Christen in ihrem Gottesdienst und im privaten Gebet die
Psalmen gesprochen. Und keine anderen Gebete der Christen veranschaulichen besser die
Bindung des Christentums an das Judentum. Nicht selten aber wurde gerade deswegen die Frage
gestellt, ob es für die Kirche angemessen sei, mit diesen Texten zu beten. Der Respekt vor
dem nie gekündigten Bund Gottes mit Israel und der Geschichte des Judentums verlangt daher
auch die Prüfung, ob eine vorbehaltslose Interpretation dieser jüdischen Gebete nicht eine
illegitime Weise der Vereinnahmung dieser Gebete darstellt.
Für die neuere Geschichte muß beantwortet und hinterfragt werden, ob wir als Christen
die Psalmen so einfach übernehmen und verchristlichen dürfen, ohne uns an jene Menschen zu
erinnern, die zum Beispiel in den Gaskammern der Konzentrationslager der Nationalsozialisten
die Psalmen betend ihr Leben lassen mußten. Elie Wiesel spricht aus dieser Tatsache heraus
von sich selbst als dem Beter, der in seinem Beten stecken bleibt, weil ihm die Erinnerung
an die, die auf Gott vertraut haben und dennoch zugrunde gegangen sind, den Atem nimmt.39
Gerade an der Unverständlichkeit der Tatsache, daß es Christen möglich war, angesichts
der Katastrophe des jüdischen Volkes aus der gesamten Geschichte heraus so unirritiert die
Psalmen weiterzubeten, könnte der Satz aus dem Evangelium nach Matthäus, „Wir beten gar
nicht, sondern wir plappern wie die Heiden“ (Mt 6,7) auf ein solches christliches Beten
zutreffen, wenn dieses Beten angesichts der Leiden, die dieses Volk durchmachen mußte,
nicht ins Stocken kommt. Psalmen lassen sich nur entweder in Solidarität mit den Opfern,
oder im schamvollen Eingeständnis verweigerter Solidarität beten.40 „Erst wo
diese Dimension erreicht ist, wird das Beten der Psalmen zum wesentlichen Aspekt jüdisch-christlicher
Ökumene.“41
Die Tatsache, daß Gottes Bund mit uns Menschen nie gekündigt wurde, birgt die zweite
Frage in sich, wie wir Christen, und in diesem Fall besonders die Bibelwissenschaftler und
Liturgen, an die Psalmen herantreten.
Als „die Prüfsteine der Hermeneutik des Alten Testamentes“ bezeichnete Notker Füglister
in einem seiner letzten Seminare an der Universität Salzburg die Psalmen und hob mit dieser
Aussage die eminente exegetische Funktion der Psalmen bzw. des Psalters hervor. Dieser
Funktion werden die Psalmen jedoch nur gerecht, wenn die Sammlung der 150 Psalmen als ein
Ganzes gesehen werden und die kanonische Gestalt des Psalters berücksichtigt wird.42
Nur so kann vermieden werden, daß die seit dem II. Vatikanischen Konzil aufgeflammte
Diskussion, ob auch jene Psalmen, die Elemente enthalten, die das christliche Beten mehr
irritieren als fördern, ihren Platz in der christlichen Liturgie und in den Gebetbüchern
haben sollen. Gemeint sind die Psalmen, die in der Fachliteratur als die „Fluchpsalmen“
benannt werden. Diese Psalmen beinhalten sichtlich Anklagen gegen Gott, da Gott den Beter ängstigt
und bedrängt. Aus ihnen kann aber auch genau so die gespürte Vertraut- und Geborgenheit
des Beters gegenüber Gott erfahren werden, ebenso wie die Psalmen auch als Dank- und
Liebeslieder an Gott gebetet werden. Welche menschlichen Ausdrucksweisen spiegeln sich in
diesen Psalmen, die dem christlichen Beter meist eine verkannte und verachtete Eigenart ist.43
Es kann hier nicht näher auf die Diskussion über die Fluchpsalmen eingegangen werden.
Ich zitiere statt dessen, auf die hemeneutische Diskussion über die Psalmen bezogen, Erich
Zenger aus seinem Vorwort zum Buch, „Ein Gott der Rache?“ Dieses Zitat beinhaltet
gleichsam ein Programm, das jene Sichtweise der Fluchpsalmen wiedergibt, dem sich u.a.
Notker Füglister,44 G. Braulik45 oder Nobert Lohfink46
verpflichtet wissen und dem auch ich mich inhaltlich anschließe.47
Die Psalmen artikulieren befürchtete Gewalt als Beziehungsphänomen. Als poetische Gebete
sind sie Medien sprachlicher Bändigung der Gewalt und Anleitung zu Wegen aus der Gewalt
— im Angesicht eines Gottes, der als ‘Gott der Rache’ die gottwidrige und
lebensvernichtende Gewalt als solche entlarvt und die Vision von einem Leben ohne Gewalt
wach hält. Freilich: Die biblischen Psalmen reden von und zu diesem Gott auf
irritierende, oft schockierende Weise. Insbesondere die mißverständlichen so genannten
‘Fluchpsalmen’ (sie verfluchen nicht, sondern tragen Gott leidenschaftliche Klagen,
Bitten und Wünsche vor!) sind vielen Christen ein Rätsel und Ärgernis. Die
nachkonziliare Liturgiereform hat deswegen sogar einige Psalmen als für das kirchliche
Stundengebet unzumutbar ausgestoßen. Und in einem Akt lehramtlicher Barbarei hat sie bei
mehreren Psalmen die poetische Gestalt zerstört, als sie einzelne Psalmenverse einfach
wegstrich. Daß und warum diese Zensur unnötig und inakzeptabel ist, will ich in diesem
Buch aufweisen. Vor allem will ich einen Weg zeigen, wie die Feindpsalmen helfen können,
daß wir an der Welt der Gewalt, in der wir leben müssen, nicht verzweifeln oder
zerbrechen.48
Daß die Diskussion über die Psalmen nicht nur in den exegetischen und liturgischen
Bereichen geführt wird, zeigt noch einmal ein Blick in den Katechismus der Katholischen
Kirche (KKK). Dort wird, wie schon im Abschnitt über das Erste Testament, ebenfalls
Disharmonisches über die Psalmen ausgesagt, daß, wie bei Nummer 2579,
- David in den Psalmen als erster Prophet des jüdischen und christlichen Gebetes
bezeichnet wird, oder
- die Psalmen als ein hervorragendes Zeugnis des Betens im Alten Testament zu sehen sind
(2585) und
- in den Psalmen der Ausdruck der Heilswerke Gottes in der Form eines Gesanges zu dessen
Ehre betrachtet wird (2587),49
- sie Gebet der Bundesbeziehung, beiderseitiges Handeln Gottes und des Menschen (2564)
und
- Lobgesänge an Gott sind (2589).
Andererseits relativiert der Weltkatechismus m.E. diese positiven Aussagen mit den Sätzen
wie:
- Die Psalmen waren das Gebet der Armen in der Zeit der Verheißungen (= Altes
Testament), in denen der Geist des Herrn ein williges Volk bereitet hat (716), oder daß
- die Psalmen in Christus gebetet und erfüllt für das Gebet der Kirche von
wesentlicher Bedeutung sind (2586), und besonders schwerwiegend, daß
- die Psalmen in Christus gebetet und erfüllt sind (2596).
Für die Liturgie der Christen muß in dieser Hinsicht besonders auf den „Mitvollzug
des trinitarischen Betens,“ verwiesen werden und gerade unter diesem Blickwinkel muß sich
unsere Liturgie die Frage stellen, ob es richtig und angebracht ist, am Ende der Psalmen
eine Doxologie zu beten. Dieses liturgische Ende der Psalmen im Stundengebet der Kirche ist
nicht unumstritten, genauso wie die liturgische Funktion des Psalms im Wortgottesdienst der
Heiligen Messen. Wie eingangs zu diesem Kapitel erwähnt, haben die Christen zu allen Zeiten
die Psalmen im Gottesdienst verwendet. Die Funktion und die Verwendung der Psalmen im
Gottesdienst haben sich jedoch des öfteren verändert, und es gibt heute, nach einer fast
2000-jährigen Rezeptionsgeschichte des Christentums, in der Fachliteratur genauso
verwirrend viele Antworten zur Funktion und Verwendung der Psalmen im Wortgottesdienst, wie
es deren Gestaltungsmöglichkeiten gibt.
Rudolf Pacik50 und Dominik Daschner51 haben versucht, diese
Vielzahl von Möglichkeiten zu sondieren und sind dabei auf drei wesentliche Funktionen des
Psalms im Wortgottesdienstes gekommen:
- der Psalm ist eine Lesung, ist Wort Gottes
- Der Psalm ist gemeinsame Meditation der vorausgehenden Lesung.
- Der Psalm ist Antwort auf die vorausgehende Lesung.
D. h. Die Funktion des Psalms im Wortgottesdienst ist dreifach belegt. Diese Trias
entspricht auch der dialogischen Grundstruktur des Wortgottesdienstes, indem der Dialog
zwischen Gott und der Gemeinde konstituiert wird und Gott in der bzw. in den Lesungen zu
seinem Volk spricht, die Gemeinde sodann das verkündete Wort bedenkt, meditiert,
um dann auf beides eine angemessene Antwort zu geben.
Andreas Jungmann52 hat diesen Dialog in dem Dreischritt „Lesung – Gesang
– Gebet“ zu fassen versucht, jedoch erscheint mir darin eine Einschränkung auf
„Gesang“ etwas zu einengend, da es neben dem Gesang noch andere Möglichkeiten der
Aufnahme des Gehörten gibt.53 So hat Philipp Harnoncourt54 den
Dreischritt auf „hören – bedenken – antworten“ ausgedehnt und charakterisiert.
Diese Definition erscheint mir passender und sie läßt sich noch am ehesten damit
wiedergeben, was die Alte Kirche im Bezug auf die Gesamtstruktur des Wortgottesdienstes
bezogen, mit „lectio – meditatio – oratio“ meinte.
Hier liegt nun auch das Problem, denn die sich in drei Schritten vollziehende dialogische
Grundstruktur des Wortgottesdienstes ist das eine, die aus der Väterzeit überlieferte und
von den Reformen des II. Vaticanums aufgenommene Reihenfolge der Texte des
Wortgottesdienstes ist das andere. So stellt sich nun nach Dominik Daschner55 die
Frage, ob die aufgezeigte Grundstruktur der Wortliturgie aus der Väterzeit sich eignet, die
Funktion des Psalms im Wortgottesdienst zu beschreiben.
Einen Ausweg daraus meint Ansgar Franz gefunden zu haben.56 Er meint, daß aus
historischer Sicht die Funktion des Psalms klar definiert ist, denn der Psalm war und ist
Schriftlesung, also Wort Gottes, genauso wie die anderen Perikopen auch. Die Bezeichnung des
Psalms als „Antwortpsalm“ will und wollte ihm historisch gesehen nicht eine Funktion
zuweisen, sondern bezieht sich auf die Art des Vortrags (Vorbeter – Gemeinde). Ist der
Psalm Wort Gottes, so ist er auch selbstverständlich Gegenstand der Homilie, die gleichsam
die „meditatio“ des Psalms wäre. Aus der Geschichte betrachtet fordert die
Grundstruktur des Wortgottesdienstes aus der Väterzeit also das „lectio – meditatio –
oratio“ für jede Verkündigung des Wortes Gottes, somit — denn die Psalmen sind Wort
Gottes — müßte die Trias auf jede Lesung angewendet werden. Ob dieser aus historischer
Sicht betrachtete Idealfall eines Wortgottesdienstes heute Normalfall eines
Gemeindegottesdienstes sein kann, sei dahingestellt, geschweige denn wünschenswert. Ich
mute dies dem normalen Gottesdienstbesucher nicht zu und so muß nach einem anderen Ausweg
gesucht werden, der darin bestehen könnte, daß
- die Trias „lectio – meditatio – oratio“ nicht für jede einzelne Lesung,
sondern für den gesamten Wortgottesdienst gilt oder
- man sieht den Psalm als ein Element der Lesungsreihe, gibt ihm also eine
Funktion – entweder Stufe 2 der Trias — Meditation, oder Stufe 3 — oratio. Bei
dieser Funktion des Psalms gelingt es, mindestens drei Anliegen positiv aufzugreifen:
- Die Zahl der als Lesung verkündeten Texte ist nicht vier, sondern drei.
- Die Deutung des Psalms als „Meditation“ oder „Antwort“ setzt voraus, daß er
einen Bezug zur Lesung hat.
- Es wird der Einsicht Rechnung getragen, daß es nicht genügt, die Lesungen
aneinanderzureihen, sondern es muß die Gelegenheit geschaffen werden, alle Texte
meditierend und antwortend zu verarbeiten. Im Sinne von Harnoncourt wäre der Psalm als
responsorialer Gesang für die Gemeinde faktisch am geeignetsten, das Wort Gottes zu
„meditieren.“ Ansgar Franz spricht von einem „Wiederkäuen“ des Wortes Gottes
mittels der Kehrverse zu den Psalmen.57
Diese beachtlichen Vorteile unter der Lösung von b) kann für die Deutung des Psalms
keine vollständig befriedigende Lösung finden, denn es bleiben drei wichtige Sachverhalte
in diesen Lösungen ungeklärt, schreibt Ansgar Franz:58
- Unbeschadet der Tatsache, daß der Psalm auch die Funktion einer Meditation oder
Antwort übernehmen kann, war und bleibt er Lesung, Verkündigung des Wortes Gottes. Es
ist sinnvoll, in jedem Wortgottesdienst wenigstens einen alttestamentlichen Text zu
verlesen.
- Es wird sich schwer nachweisen lassen, daß der Psalm immer die einzige
schon gar nicht in jedem Fall die beste Form der Meditation der Lesung ist, wenn statt
des Psalms als Antwort auf die Lesung ein Kirchenlied gesungen wird, welches manchmal
genauso gut passend eine „meditatio“ sein kann. Was geschieht dann mit dem Psalm?
- Wird der Psalm als Antwort bezeichnet, so ist eine Präzisierung der
Terminologie und der Perikope selbst einzufordern.
Auf diesen Seiten lassen sich die verschiedenen Ansichten zur Funktion des Psalms und
deren Deutung im Wortgottesdienst nicht klären. Die oben genannten Einwände und Lösungsversuche
lassen doch einiges unbeantwortet. Für die Verwendung der Psalmen im Gottesdienst will ich
abschießend anführen, daß
- wir uns als Christen der hermeneutischen Funktion der Psalmen und ihrer Historizität
bewußt sein müssen und
- wir uns, bei aller Vielfältigkeit und Schwierigkeit der Antworten zur Funktion der
Psalmen im Wortgottesdienst die Trias von „hören – bedenken – antworten“ vor
Augen halten sollten, bevor ein Psalm unbedacht im Gottesdienst verwendet wird.
Hochgebete
Der Charakter des eucharistischen Hochgebets als Dank- und Lobgebet lehnt sich eng an das
Lobgebet der Schöpfung im Sabbatmorgengottesdienst an, jedoch fehlt in den Hochgebeten ein
deutlicher positiver Bezug zum Ersten Testament, ja es werden sogar in den zur Zeit
erlaubten Hochgebeten bibeltheologisch höchst bedenkenswerte Ausdrücke verwendet. Sieht
man die Prägekraft und den Stellenwert, die diese Texte in der Liturgie der Kirche
einnehmen, das Handbuch der Liturgiewissenschaft spricht von einem zentralen Akt des
Hochgebets, der in seiner Gestalt wie in seinem zelebrativen Vollzug dem Anspruch gerecht
werden soll, Höhepunkt der eucharistischen Feier zu sein,59 ist die totale
Ausblendung Israels und dessen Geschichte, sowie der Zusammenhang von Israel und Kirche zu
einer „messianischen Weggemeinschaft im Gottesbund“60 ein Defizit, das
„nach Auschwitz“61 und angesichts neuer theologischer Sichtweisen
korrekturbedürftig ist. Schon das erste Hochgebet, das in der liturgischen Praxis wegen
seiner unüberzeugenden Abfolge der Einzelgebete kaum verwendet wird,62 verweist
in der Annahmebitte zum Anamnesegebet durch die Worte: „Blicke versöhnt und gütig
darauf nieder und nimm sie an wie einst die Gaben deines gerechten Dieners Abel, wie das
Opfer unseres Vaters Abraham, wie die heilige Gabe, das reine Opfer deines Hohenpriesters
Melchisedek,“63 auf die Substitutionstheologie. Im eucharistischen
Hochgebet II fehlt überhaupt jeglicher Bezug zum Ersten Testament, im Hochgebet III wird
dann wieder eine unkritische Erfüllungstheorie auf die Kirche übertragen, indem es in
Anlehnung an die Kultpolemik von Mal 1,10f aussagt: „Bis ans Ende der Zeiten
versammelst du dir ein Volk, damit deinem Namen das reine Opfer dargebracht werde vom
Aufgang der Sonne bis zum Untergang.“64
In ähnliche Richtung weist das Hochgebet „Gott führt die Kirche“ im Postsanctus:
Einst hast du Israel, Dein Volk, durch die Wüste geführt. Heute begleitest du die Kirche
in der Kraft deines Geistes.
Die problematischste Passage im Hochgebet findet sich allerdings im sehr stark ausgeprägten
anamnetisch bestimmten Hochgebet vier. Dieser Kanon schildert als einziger der zur Zeit
erlaubten Hochgebete einen Abriß der alttestamentlichen Heilsgeschichte in seinem Text,
jedoch wird in dieser heilsgeschichtlichen Konzeption Israel vollkommen ausgeblendet. Erich
Zenger fragt sogar, ob diese Ausblendung im Hochgebet gezielt gesetzt wird.65 Der
Text ist folgender:
Den Menschen hast du nach deinem Bild geschaffen und ihm die Sorge für die ganze Welt
anvertraut. Über alle Geschöpfe sollte er herrschen und allein dir, seinem Schöpfer
dienen. Als er im Ungehorsam deine Freundschaft verlor und der Macht des Todes verfiel,
hast du ihn dennoch nicht verlassen, sondern voll Erbarmen allen geholfen, dich zu suchen
und zu finden. Immer wieder hast du den Menschen deinen Bund angeboten und sie durch die
Propheten gelehrt, das Heil zu erwarten.66
Ich halte mich hier an Erich Zenger,67 der zu diesem Textabschnitt auf das
problematische Verständnis der sehr naiv historisierend biblischen Urgeschichte, die in
diesem Gebet nacherzählt wird, nicht eingeht und möchte statt dessen noch einmal einige
Argumente gegen die Aussage, die in diesem Kanon getätigt wird, daß Gott „immer wieder
den Menschen seinen Bund angeboten habe,“ kurz eingehen. Besonders auf diese Textpassage
aus dem 4. Kanon muß folgendes noch einmal explizit herausgehoben werden.
- Falls hier auf den Bund des Schöpfergottes in Gen 9,1–17 angespielt wird, wird der
Bund anthropozentrisch enggeführt und zu einem Angebot reduziert. Dies widerspricht den
Arten des Bundes, denn nur Gott setzt Bund. Einseitig und souverän! Nur Gott ist an
diese Verheißung gebunden.
- Das Erste Testament kennt nur eine „berit“, nur einen Bund Gottes mit
den Menschen, und so kann dieser Bund nicht mehrmals den Menschen neu angeboten werden.
- Falls auf die prophetische Ankündigung vom neuen Bund Bezug genommen sein soll, muß
gesagt werden, daß die Bundes–Erneuerung durch die Propheten nicht pauschal den
Menschen verkündet worden ist, sondern Israel und Juda (vgl. Jer 31,33).
- Daß die biblischen Propheten schließlich darauf reduziert werden, daß sie den
„Menschen gelehrt haben, das Heil zu erwarten,“68 „entspricht zwar
einem christlicherseits lieb gewordenen Klischee, ist aber höchstens die halbierte
biblische Wahrheit“,69 und es stimmt nachdenklich, daß auch hier jeglicher
Bezug zu und auf Israel vermieden wird.
Einen guten Überblick zum liturgischen Sprachgebrauch und zum Bundesverständnis im
vierten Hochgebet gibt Gerog Braulik in dem Aufsatz, „Das göttliche Bundesangebot an die
Menschheit. Zum vierten Hochgebet.“70
Auswege aus der Marginalisierung der Verwendung und der Bedeutung des Ersten Testaments in der Liturgie
Wie schon erwähnt, können sich Probleme für unsere Liturgie ergeben, wenn diese von
den Wurzeln her untersucht und analysiert wird und die Ergebnisse daraus ernst genommen
werden. Ein großer Schritt einer solchen Analyse wurde nach dem II. Vaticanum getan. Seit
diesem großen Konzil ist jedoch einige Zeit vergangen und die Praxis der Liturgie hat
gezeigt, daß diese dort begonnenen Reformen noch nicht zu Ende geführt sind. Die immer
wieder aufflammenden Diskussionen, zum Beispiel über den Ablauf, die Sprache, die
verwendeten Zeichen und Symbole in unserer Liturgie, sind dafür ein Zeichen. Aber auch
andere Einflüsse machen es notwendig, daß sich die Liturgie stetig bemüht, die „Zeichen
der Zeit“ zu verstehen. So hat sich seit dem II. Vaticanum die Sprache und das Wahrnehmen
dieser Zeichen verändert, neue theologische Thesen wurden erstellt, durch die
Globalisierung drängen immer mehr und verschiedene Kulturen und deren Liturgien in die römische
Liturgie.71 Wenn für die Kirche die Aussage „ecclesia semper reformanda“
zutrifft, muß dies erst recht für den Lebensvollzug dieser sich stetig erneuernden Kirche,
der Liturgie, zutreffen. Ein richtiger und wichtiger Punkt dafür ist die „Erneuerung“
oder besser gesagt die „Reformierung“ der zur Zeit gültigen Liturgie in Bezug auf die Rückbesinnung
zu ihren Wurzel.
Nachstehender Teil der Arbeit versucht sich als ein kurzer Überblick über Vorschläge,
die einen Ausweg aus der Marginalisierung des Ersten Testaments in der römischen Liturgie
meinen finden zu können. Ebenfalls soll dieser Teil dazu führen, die Sensibilität der
liturgischen Texte hin auf das Erste Testament, wenn sie neu verfaßt werden sollten, zu erhöhen.
Denn gerade, wenn Texte und Gebete neu geschrieben werden, müssen sie bibeltheologisch
stimmen, um "dem liturgischen Buch der Bibel," gerecht zu werden.
Die Bezeichnung des Ersten Testaments: „Mater et magistra Novi Testamenti“
Das Alte Testament als Eigenwort mit Eigenwert zu verstehen und zu lesen, ist eine
Forderung, welche das II. Vatikanische Konzil leider versäumt hat. Papst Johannes Paul II.
hat jedoch bereits mehrmals versucht, dieses Versäumnis des Konzils nachzuholen und hat ein
striktes Umdenken im Umgang mit dem Alten Testament verlangt, ein Umdenken, daß sich nicht
nur auf den ökumenischen Dialog zwischen Christen und Juden beschränkt, sondern in der
ganzen Weltkirche um sich greifen soll, nämlich, daß das Erste Testament kein vorläufiges
oder überholtes Gotteswort ist und es keinen offenbarungsgeschichtlichen Fortschritt im
Sinne einer naiven Entwicklung vom Niederen zum Höheren oder vom Vorläufigen zum Endgültigen
darstellt. So ist eben das Neue Testament vom Alten Testament her geschrieben, das Neue
Testament will im Lichte des Alten Testaments gelesen werden, ist „mater et magistra Novi
Testamenti.“
Aus dem ergibt sich, daß die Bezeichnung „Altes“ Testament zu falschen Implikationen
führen kann und, wie die Rezeptionsgeschichte im Christentum zeigt, Auslöser permanenter
Mißverständnisse und fataler Antijudaismen ist. Deshalb wäre eine Bezeichnung als
„Erstes“ Testament wünschenswert. Diese Bezeichnung wird der historischen Entwicklung
mehr gerecht, ist zudem biblischer als „Altes Testament“72 und ruft mehrere
positive Implikationen hervor.73 So vermeidet die Bezeichnung Erstes Testament
zum Beispiel
- die traditionelle Abwertung, die sich assoziativ und faktisch mit der Bezeichnung
„Altes Testament“ verbindet.
- Sie gibt den historischen Sachverhalt korrekt wieder.
- Sie formuliert theologisch richtig und bezeugt jenen „ewigen“ Bund, den Gott mit
Israel als seinem „erstgeborenen“ Sohn (Vgl. Ex 4, 22; Hos 11, 1) geschlossen hat
als Anfang jener großen Bundesbewegung, in die der Gott Israels auch die Völkerwelt
hinein nimmt.
- Als Erstes Testament weist es hin auf das Zweite Testament, ist dadurch eben „mater
et magistra Novi Testamenti“.
Dialogizität von Erstem und Zweitem Testament im Wortgottesdienst
Aus der Bezeichnung Erstes Testament ergibt sich von selbst, daß die Schriftlesungen aus
dem Ersten und Zweiten Testament in einer spannungsreichen Dialogiziät stehen sollen. Erich
Zenger spricht in diesem Zusammenhang davon, daß das Erste Testament eine Herausforderin
und Rivalin des Zweiten Testaments sein soll.74 Beide Testamente bilden ein
polyphones, polyloges, aber dennoch zusammenklingendes Ganzes, „das nur als solches ,Wort
Gottes‘ ist, das vom dramatischen Geschehen der Erlösung der ganzen Welt kündet, dessen
,letzter´ Akt mit dem Messias Jesus Christus verbunden ist,“75 schreibt Zenger
und faßt dies mit der Bezeichnung der „Hermeneutik der kanonischen Dialogizität“76
zusammen.77
Für die Liturgie heißt dies, damit der spannungsreiche Dialog wahrgenommen werden kann,
daß Lesungen aus dem Ersten und dem Zweiten Testament vorgetragen werden, die
freilich nach bibelthologischen Gesichtspunkten und nicht nur nach liturgischen, ausgesucht
werden müssen.
Norbert Lohfink ging in seinen Überlegungen zum Thema der Dialogizität beider
Testamente vom jüdischen Synagogengottesdienst aus. Dort steht im Lesegottesdienst die Tora
an erster Stelle, dann folgen gleichsam als Auslegungen andere Schriften der hebräischen
Bibel. Dazu überträgt Lohfink dieses Schema auf den christlichen Wortgottesdienst: Die
Vertiefung der Ersten Lesung sieht er im Antwortpsalm, womit die Erste Lesung gleichsam eine
Vertiefung aus dem selben, dem Ersten Testament erfährt. Dann folgen die neutestamentlichen
Texte die, besonders die Paulusbriefe, wie ein theologischer Kommentar zu den Lesungen aus
dem Ersten Testament gelesen werden können. Die Evangelien schließlich „erzählen von
dem Faktum, daß alle Erfahrungen Israels nach christlichem Verständnis letztlich
entschlüsselt und deutet, vom Leben und Sterben Jesu von Nazareth.“78
Die symbolische Einheit der beiden Testamente: Kanonorientierte Schriftlesung – die Tora als Bahnlesung im Kirchenjahr
Die Zeichen und Symbole in der Feier der Heiligen Messe sollen zeigen, was sich hier und
jetzt in der Liturgie ereignet. Die Symbolik des Wortgottesdienstes betreffend muß daher
hinterfragt werden, ob durch die zur Zeit gehandhabten Riten (zum Beispiel der Verehrung des
Evangeliars) nicht die Gefahr besteht, das Erste Testament symbolisch herabzusetzen. Die
Symbole und Riten sind gerade im Gottesdienst von besonderer Wichtigkeit und erfahren gerade
in heutiger Zeit eine Renaissance. Aber eben darum müssen die Symbole und Riten richtig
eingesetzt werden, um auch richtig gedeutet und wahrgenommen zu werden. Eine sehr gute und
übersichtliche Einführung zur Bedeutung und zur Geschichte der Symbole und Riten in der
christlichen Liturgie bietet Georg Ritzer79 in seiner Dissertation an der
Universität Salzburg.
Der Umgang mit den biblischen Büchern in der Liturgie, der differenzierte Umgang mit
ihnen hat eine lange liturgische Tradition. So sah man im Evangeliar ein Symbol der Person
Christi, aus der heraus sich eine gesteigerte Feierlichkeit nahe legte.80 Es läßt
sich allerdings aus der Geschichte nicht erkennen, daß durch diese Riten das Erste
Testament abgewertet werden sollte. Vielmehr ging es in der Verehrung des Evangeliars darum,
der Freude über das Christusereignis Ausdruck zu verleihen. Nicht die Geringschätzung des
Ersten Testaments, sondern die besondere Bedeutung eines Teils der Schriften des zweiten
Testaments führte zur Ausprägung bestimmter Riten im Wortgottesdienst.81 Wie
kann nun verhindert werden, daß trotz der besonderen Bedeutung des Evangeliums, der
Eindruck vermieden wird, in der Liturgie werden die Schriften des Ersten Testamentes
abgewertet?
Zum einen ist da einmal die liturgische Form des Wortgottesdienstes, die im Nebeneinander
von Erstem Testament, Psalm, Lesung aus dem Zweiten Testament, Ruf vor dem Evangelium und
dem Evangelium besteht, vielen Gemeinden, besonders im deutschen Sprachgebrauch, unbekannt.
Es liegt auf der Hand, daß ein der „pastoralen Schere“ zum Opfer gefallener
Wortgottesdienst in seinem verkürzten Ritus die Aufmerksamkeit vielmehr auf das Evangelium
lenkt. Dabei verlieren die begleiteten Riten zum Evangelium dann auch ihre Sinnhaftigkeit.
Denn in Text und Symbolik des Rufes vor dem Evangelium und der Verehrung des Evangeliums
soll verdeutlicht werden, daß
in dem Juden Jesus von Nazareth das Erbe des Alten Testaments und der Keim der
neutestamentlichen Heilswirklichkeit miteinander verbunden (sind) – das Erbe und die
Wurzel, die das Leben Israels von Jhwh darstellt, und der Keim, mehr, die Initiation des
eschatologisch–neuen Geschehens der Gottesherrschaft.82
Um dies zu verwirklichen bedarf es aber der „Vollinszenierung“ des Wortgottesdienstes
und nicht nur die Inszenierung durch „zwei oder weniger Akte.“ Denn nur dann wird die
Abfolge und die Dialogizität beider Testamente voll erlebbar. Zum anderen sind die Lesungen
selbst in den zur Zeit erlaubten Leseordnungen mit gewaltigen hermeneutischen Problemen
behaftet. Ein Ausweg daraus wäre, die Lesungen des Ersten Testaments als Bahnlesung auszuwählen,
kommentiert bzw. meditiert durch einen Psalm und die Lesungen aus dem Zweiten Testament.
Durch eine solche Bahnlesung aus dem Ersten Testament werden bzw. würden die Gläubigen mit
den wichtigsten Stationen und bedeutendsten Zeugnissen der Heils- und Glaubensgeschichte
Israels vertraut gemacht. Diese Bahnlesung könnte, ähnlich wie bei den Evangelien, nach
dem Kirchenjahr gegliedert werden. Hansjakob Becker83 sieht die Zeit zwischen
Pfingsten und Advent als die ideale Zeit an, eine Bahnlesung aus dem Ersten Testament zu
verwirklichen, da der Zeitraum groß genug ist, jene Texte zu verlesen, die „die Gläubigen
mit den wichtigsten Stationen und bedeutendsten Zeugnissen der Heils- und Glaubensgeschichte
Israels vertraut“84 machen. Dirk Monshouwer dagegen sieht keine bestimmte Zeit
im Kirchenjahr dafür vor und greift auf das Projekt „De Eerste Dag“ aus den
Niederlanden zurück, das die Bahnlesung aus der Tora von Ostern aus festlegt und wieder zu
Ostern zurückführt.
Wenn man die heilige Schrift in ihrer eigenen Ordnung liest85 und dabei die
biblischen Feste nicht aus dem Auge verliert, erzählen die unterschiedlichen Teile der
Bibel dieselbe Geschichte. Jedenfalls die Tora und das Evangelium passen zueinander, wenn
man sie von Ostern her und wieder auf das Osterfest hin liest.86
Norbert Lohfink87 verlangt zu dieser Diskussion, daß als Bahnlesung aus dem
Ersten Testament immer eine Lesung aus der Tora genommen werden soll. Georg Braulik88
hat dies aufgenommen und einen konkreten Vorschlag einer dreijährigen Bahnlesung aus der
Tora abgeleitet, der für die Zwischenlesung zwei Lesungen als Alternative vorsieht, eine
aus dem Ersten Testament, die andere aus dem Zweiten Testament. Eine dieser
„Zwischenlesungen“ ist der Tora, die andere dem Evangelium zugeordnet. Je nach der
„Hauptlesung“ (die entweder aus der Tora oder aus dem Evangelium erfolgt), die sich der
Prediger zugrundelegen will, kann dieser dann die eine oder die andere „Zwischenlesung“
wählen. Wenn von der Tora ausgegangen wird, kann es nicht passieren, daß eminente Bücher
und Perikopen des Ersten Testaments der „liturgischen Schere“ zum Opfer fallen. Konkret
sieht dies so aus:
- Die erste Lesung wird aus der Tora genommen.
- Die zweite Lesung stammt aus den Büchern der Propheten und der Weisheitsschriften und
aus den gesamten neutestamentlichen Schriften. Diese Lesung hat entsprechend der
kanonischen Struktur Kommentarcharakter zur Tora oder zum Evangelium.
- Die Evangelien sind ebenfalls als Bahnlesung zu verkünden. Sie brauchen aber nicht
eigens thematisch oder verbal auf die Toralesung abgestimmt sein, „denn letztlich trägt
jede gut ausgewählte Evangelienperikope immer das Ganze in sich, ist somit auch
definitive Auslegung der Tora und des Alten Testaments.“.89
Leider ist es mir hier aufgrund der gebotenen Kürze nicht möglich, genauer auf das
Thema einzugehen. Ich darf daher auf die im Text schon angegebenen Literaturangaben
verweisen und noch einige weitere anführen.90 Fest steht, daß eine wie oben
angeführte kanonische Bahnlesung aus dem Ersten Testament gegenüber der literarischen
Bahnlesung des Evangeliums eine Reihe von Vorteilen hat, die hier zusammengefaßt benannt
seien:91
- Es kann besser als zur Zeit sichergestellt sein, daß die wichtigsten Texte des Ersten
Testaments zur Verlesung kommen.
- Der Hörer nimmt über einen langen Zeitabschnitt des Kirchenjahres die Perikopen in
einem nachvollziehbaren heilsgeschichtlichen Zusammenhang wahr.
- Der die Thematik des Wortgottesdienstes bestimmende Text steht am Anfang und nicht
erst am Ende des Hörvorgangs.
Ein weiterer Ausweg um die Dignität der ganzen Bibel besser zum Ausdruck zu bringen,
ohne die besondere Bedeutung des Evangeliums zu schmälern, ist die Verwendung einer
Lesungsbibel. Mit der Einführung einer solchen Lesungsbibel.92 wären
Konsequenzen auch für die Riten des Wortgottesdienstes verbunden. Es würde zum Beispiel
die ganze Heilige Schrift in feierlicher Form in den Kirchenraum getragen und zur Verlesung
aufbewahrt. So würde klar, daß der Glaube der Kirche und die Glaubensfeier der Christen in
der einen Bibel aus Erstem und Zweitem Testament basiert. Eine besondere Verehrung des
Evangeliums, das für unsere christliche Liturgie ein Spezifikum ist, würde nicht
wegfallen, denn im Evangelium wird angezeigt, worin der Gottesglaube der Christen seinen
Grund hat, in dem Bekenntnis zum Christusereignis, dessen Wurzeln im Ersten Testament zu
finden sind.
Fußnoten
- Vgl. II. Vaticanum „Sacrosanctum Concilium.“ SC 24.
- SC 24.
- Vgl. Albert Gerhards, „Schriftgebrauch im Gottesdienst. Zur Bewertung der Rolle des
Gottesdienstes in den Überlegungen des Ökumenischen Arbeitskreises evangelischer und
katholischer Theologen unter besonderer Berücksichtigung des Alten Testaments,“ in: Streit
am Tisch des Wortes, 500.
- Klemens Richter, „Liturgie und Bibel für das Volk – biblische und liturgische
Erneuerung als pastorale Bewegung“, Bibel und Liturgie 69 (1996) 146.
- Benedikt Kranemann, „Anmerkung zur Dramaturgie des Wortgottesdienstes der
Messfeier,“ in: Streit am Tisch des Wortes, 759.
- Vgl. Erich Zenger, „Das Erste Testament als Herausforderung christlicher
Liturgie,“ in: Georg Steins (Hg.), Leseordnung. Altes und Neues Testament in der
Liturgie, Stuttgart 1997, 11 – 28.
- Vgl. Notker Füglister, „Gottesdienst am Menschen. Zum Kultverständnis des Alten
Testaments,“ Salzburger Universitätsreden, Heft 46 (1971).
- Vgl. Hinweise für eine richtige Darstellung von Juden und Judentum. Nummer
23.
- Ebd. Nummer 24.
- Vgl. Theodor Klauser, Kleine abendländische Liturgiegeschichte, Bonn 1965,
11- 15.
- Vgl auch: Klemens Richter, „Jüdische Wurzeln christlicher Liturgie im Spiegel der
neueren katholischen Liturgiewissenschaft,“ in: Marcel Marcus, Ekkehard W. Stegemann
und Erich Zenger (Hg.), Israel und Kirche heute. Beiträge zum christlich – jüdischen
Dialog, Freiburg, Basel, Wien, 1991, 137.
- Hans Bernhard Meyer u.a. (Hg.), Gottesdienst der Kirche (Gdk). Handbuch
der Liturgiewissenschaft, Regensburg 1983 ff.
- GdK 4, 117.
- GdK 4, 117.
- Ebd.
- Vgl. GdK 4, 69.
- GdK 4, 71 – 72.
- Vgl. GdK 4, 69.
- Ebd.
- Vgl. GdK 4, 64 – 73.
- Vgl. Hanspeter Heinz, „Kann die Kirche Liturgie feiern ohne die Synagoge?“ In: Israel
und Kirche heute, 69 – 71.
- Israel und Kirche heute. Beiträge zum christlich-jüdischen Dialog. Für
Ernst Ludwig Ehrlich, Marcel Marcus, Ekkehard W. Stegemann, Erich Zenger (Hg.),
Freiburg, Basel, Wien, 1991.
- Vgl. C. Thoma bei Klemens Richter, „Jüdische Wurzeln christlicher Liturgie,“ 147.
- Vgl. Klemens Richter, „Jüdische Wurzeln christlicher Liturgie,“ 147.
- Julie Kirchberg, „Theo-logie in der Anrede als Weg der Verständigung zwischen Juden
und Christen,“ IST, 31, Innsbruck 1991, 367.
- Ebd.
- Gotteslob. Katholisches Gebets- und Gesangbuch. Diözese Linz. Bischöfe
Deutschlands u.a. (Hg.), Klagenfurt u.a., 1975, 17.
- Vgl. Benedikt Kranemann, „Liturgisches Beten zu Christus? Zur Theozentrik und
Christozentrik liturgischen Betens,“ in: Kirche und Israel 7 (1992), 60.
- Albert Gerhards, „Zur Frage der Gebetsanrede im Zeitalter jüdisch–christlichen
Dialogs,“ in: Trierer theologische Zeitschrift 1993, 245 – 257.
- Vgl. Georg Gafus, „Das Alte Testament – Stiefkind der Perikopenordnung,“ in: Bibel
und Liturgie im Leben der Gemeinde, 30.
- Vgl. SC 51.
- Vgl. Georg Gafus, „Das Alte Testament – Stiefkind der Perikopenordnung,“ in: Bibel
und Liturgie im Leben der Gemeinde, 30.
- Vgl. Erich Zenger, Ein Gott der Rache? Feindpsalmen verstehen: Freiburg im
Breisgau, Basel und Wien 1994, 43 – 66.
- Vgl. Georg Gafus, 32 – 34.
- Georg Gafus, 32
- Ebd.
- Vgl. Andrea Tafferner, „Die Leseordnung aus der Perspektive von Frauen,“ Bibel
und Liturgie im Leben der Gemeinde, 47 – 55.
- Vgl. Andrea Tafferner, „Die Leseordnung aus der Perspektive von Frauen“; Birgit
Janetzky, „Die Lesung für die Frauen befreien. Alttestamentliche Frauenperikopen im
erneuerten Lektionar aus der Sicht feministischer Befreiungshermeneutik,“ in: Ansgar
Franz (Hg.), Streit am Tisch des Wortes? Zur Deutung und Bedeutung des Alten
Testaments und seiner Verwendung in der Liturgie, Erzabtei St. Ottilien, 1997, 725
– 750.
- Vgl. Elie Wiesel, Macht Gebete aus meinen Geschichten. Essays eines Betroffenen,
Freiburg 1986, 26ff. Hier zitiert nach Martha Zechmeister, „Wenn Christen jüdische
Gebete sprechen. Zum christlichen Umgang mit den Psalmen,“ in: ThQ 1 (1999)
29.
- Vgl. Martha Zechmeister, „Wenn Christen jüdische Gebete sprechen,“ 29.
- Vgl. Julie Kirchberg nach: Martha Zechmeister, „Wenn Christen jüdische Gebete
sprechen,“ 29.
- Vgl. Notker Füglister, „Die Verwendung und das Verständnis der Psalmen und des
Psalters um die Zeitenwende,“ in: Josef Schreiner (Hg.), Forschung zur Bibel.
Beiträge zur Psalmenforschung. Psalm 2 und 22, Würzburg 1988.
- Vgl. Norbert Lohfink, Das Jüdische am Christentum. Die verlorene Dimension,
Freiburg im Breisgau – Basel – Wien2 1989.
- Vgl. Notker Füglister, „Die Verwendung des Psalters zur Zeit Jesu. Der Psalter als
Lehr- und Lebensbuch,“ in: Bibel und Kirche 47 (1992).
- Vgl. Georg Braulik, „Christologisches Verständnis der Psalmen – schon im Alten
Testament?“ in: Klemens Richter, B. Kranemann, Christologie der Liturgie: Der
Gottesdienst der Kirche – Christusbekenntnis und Sinaibund, Freiburg 1995.
- Vgl. Norbert Lohfink, „Der Psalter und die christliche Meditation. Die Bedeutung der
Endredaktion für das Verständnis des Psalters,“ in: Bibel und Kirche 47
(1992).
- Einen kurzen und übersichtlichen Abriß zum christlichen Umgang mit den Psalmen siehe
auch: Martha Zechmeister, „Wenn Christen jüdische Gebete sprechen. Zum christlichen
Umgang mit den Psalmen,“ in: Theologische praktische Quartalschrift 1 (1999),
20 – 30.
- Erich Zenger, Ein Gott der Rache?, 8 – 9.
Vgl. auch Erich Zenger, Das Erste Testament, 38 – 41. Vgl. auch Erich Zenger (hg.), Der Psalter im Judentum und Christentum. FS
Norbert Lohfink (Herders Biblische Studien 18), Freiburg, Basel, Wien 1998.
- Die Nummern in den Klammern bezeichnen die Nummern im KKK in denen die Aussagen
vorkommen.
- Rudolf Pacik, „Der Antwortpsalm,“ in: Liturgisches Jahrbuch 30 (1990) 43
– 66.
- Dominik Daschner, „Medidation oder Antwort – Zur Funktion des Antwortpsalmes,“
in: Heiliger Dienst 48 (1994) 131 – 153. 200 – 220.
- Frei nach: Ansgar Franz, „Der Paslm im Wortgottesdienst. Einladung zur Besichtigung
eines ungeräumten Problemfeldes,“ in: Bibel und Liturgie im Leben der Gemeinde
(S) 1997.
- Vgl. Ansgar Franz, „Der Psalm im Wortgottesdienst. Einladung zur Bescihtigung eines
ungeräumten Problemfeldes,“ in: Bibel und Liturgie im Leben der Gemeinde,
138 – 146.
- Philipp Harnoncourt, „So sie nicht singen, so glauben sie’s nicht. Singen im
Gottesdienst. Ausdruck des Glaubens oder liturgische Zumutung,“ in: H. Becker / R.
Kaczynski (Hg.), Liturgie und Dichtung, Band 2, St. Ottilien 1983, 139 – 172.
- Dominik Daschner, „Meditation oder Antwort,“ 153.
- Vgl. Ansgar Franz, „Der Psalm im Wortgottesdienst,“ 142 – 146.
- Vgl. Ansgar Franz, „Der Psalm im Wortgottesdienst,“ 144.
- Ansgar Franz, „Der Psalm im Wortgottesdienst“ 145.
- Vgl. GdK 344
- Erich Zenger, Das Erste Testament, 26.
- Ebd.
- Vgl. GdK 349.
- Bischofskonferenz Deutschland, Österreich, Schweiz (Hg.), Die Feier der Heiligen
Messe. Messbuch. Für die Bistümer des deutschen Sprachgebietes.Authentische Ausgabe für
den liturgischen Gebrauch. Kleinausgabe. Das Messbuch deutsch für alle Tage des Jahres.Wien,
Salzburg, Linz2 u.a. 1988, 474. In weiterer Zitation wird dieses Werk mit DMB
bezeichnet.
- DMB 490
- Vgl. Erich Zenger, Das Erste Testament, 24.
- DMB 504.
- Vgl. Erich Zenger, Das Erste Testament, 24 – 27.
- DMB 504.
- Erich Zenger, Das Erste Testament.
- Georg Braulik, „Das göttliche Bundesangebot an die Menschheit. Zum 4. Hochgebet,“
in: Ansgar Franz, Streit am Tisch des Wortes? 841 – 853.
- Vgl. auch Wilhelm Zauner, „Zeichen der Hoffnung. Überlegungen zur Inkulturation der
Sakramentenpastoral,“ in: Monika Pankoke-Schenk und Georg Evers (Hg.),
„Inkulturation und Kontextualität.“ Theologien im weltweiten Austausch.
Festgabe für Ludwig Bertsch SJ zum 65. Geburtstag, Frankfurt am Main 19??, 138 – 149.
- Vgl. Erich Zenger, Einleitung in das Alte Testament. Stuttgart – Berlin - Köln,
1995, 12 – 17.
- Vgl. Erich Zenger, „Das Erste Testament als Herausforderung christlicher
Liturgie,“ in: Bibel und Liturgie im Leben der Gemeinde, 23.
- Vgl. Erich Zenger, Einleitung in das Alte Testament, 10.
- Vgl. Erich Zenger, Einleitung in das Alte Testament, 20.
- Ebd. Und ders. „Das Erste Testament als Herasuforderung christlicher Liturgie,“
in: Bibel und Liturgie im Leben der Gemeinde, 23 – 28.
- Vgl. auch ders. Am Fuß des Sinai. Gottesbilder des Ersten Testaments, Düsseldorf
1993, 80 – 82.
- Norbert Lohfink, Das Alte Testament christlich ausgelegt. Eine Reflexion im
Anschluß an die Osternacht, Meitingen – Freising 1988, 26.
- Georg Ritzer, Taufmotive. Dissertation an der Universität Salzburg, Salzburg
1999, 4. Kapitel.
- Vgl. Benedikt Kranemann, „Anmerkung zur Dramaturgie des Wortgottesdienstes der
Messfeier,“ in: Streit am Tisch des Wortes, 759 – 768.
- Vgl. Benedikt Kranemann, „Anmerkung zur Dramaturgie des Wortgottesdienste der
Messfeier,“ in: Streit am Tisch des Wortes, 761
- W. Thüsing, „Perspektiven für eine Biblische Theologie des Alten und des Neuen
Testaments,“ in: „Eine Bibel – zwei Testamente,“ in: Chr. Dohmen und Th. Söding,
Positionen Biblischer Theologie, Paderborn u. a. 1995, 298.
- Vgl. Hansjakob Becker, „Die Bibel Jesu und das Evangelim Jesu. Ein konkreter
Vorschlag zur Weiterführung der Reform des Wortgottesdienstes,“ in: Bibel und
Liturgie im Leben der Gemeinde, 103 – 113.
- Ders. 108.
- Vgl.auch Erich Zenger, Einleitung in das Alte Testament, 28 – 33., vgl.
auch Gerhard Bodendorfer, Bibel und Midrasch, 13 – 17.
- Dirk Monshouwer, „Überraschende Erfahrungen. Der dreijährige Torazyklus im
christlichen Gottesdienst,“ in: Bibel und Liturgie im Leben der Gemeinde, 92
– 102, hier 97.
- Vgl. Norbert Lohfink, „Moses Tod, die Tora und die alttestamentliche
Sonntagslesung,“ in: Bibel und Liturgie im Leben der Gemeinde, 122 – 137.
- Georg Braulik, „Die Tora als Bahnlesung. Zur Hermeneutik einer zukünftigen Auswahl
der Sonntagsperikopen,“ in: R. Messner und E. Nagel, R. Pacik (Hg.), Bewahren und
Erneuern. Studien zur Messliturgie. Festschrift für Hans Bernhard Meyer SJ zum 70.
Geburtstag, Innsbruck 1995, 50 – 76.
- Georg Braulik, „Kanon und liturgische Schriftlesung,“ in: Bibel und Liturgie
im Leben der Gemeinde, 121.
- Erich Zenger, Das Erste Testament. Ansgar Franz, „Die Rolle des Alten
Testamentes in Perikopenreformen des 20. Jahrhunderts,“ in: Streit am Tisch des
Wortes? 619 – 648. Johann Maier, „Schriftlesung in jüdischer Tradition,“ in.
Streit am Tisch des Wortes, 505 – 560. Hansjakob Becker, „Wortgottesdienst
als Dialog der beiden Testamente. Der Stellenwert des Alten Testamentes bei einer
Weiterführung der Reform des Ordo Lectionum Missae,“ in: Streit am Tisch des
Wortes? 659 – 690. Erich Zenger, „Das Erste Testament im Ordo lectionum missae.
Anmerkungen zu den Thesen von H. Becker,“ in: Streit am Tisch des Wortes, 691
– 692.
- Vgl. Hans Jakob Becker, Die Bibel Jesu und das Evangelium Jesu, 109.
- Vgl. Reiner Kaczynski, „Wertschätzung der Bücher, die Gottes Wort enthalten,“
in: Streit am Tisch des Wortes?, 769 – 772. Benedikt Kranemann,
„Anmerkung zur Dramaturgie des Wortgottesdienste der Messfeier,“ 64 – 65.
Dieser Beitrag ist Teil der Diplomarbeit von Josef Peter Zauner, die er am Institut für
Judaistik und alttestamentliche Bibelwissenschaft der Universität Salzburg eingereicht hat. © Copyright 2000 Koordinierungsausschuss
für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit
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